Johann Friedrich Struensee

Johann Friedrich Struensee war ein deutscher Arzt und Aufklärer, der von 1737 bis 1772 lebte. Sein Ende war ein gewaltsames, er wurde am 28. April 1772, im Alter von 34 Jahren hingerichtet. Seiner Hinrichtung ging ein durchaus bewegtes Leben voran.

Vom Armenarzt zum königlichen Leibarzt

Tätig war Johann Friedrich Struensee zunächst als Armenarzt in Altona bei Hamburg. Er stiegt von hier zum Leibarzt des geisteskranken dänischen Königs auf. Er erhielt Generalvollmacht und regierte Dänemark zwei Jahre mit dieser. In dieser Zeit setzte Struensee zahlreiche Reformen um. Diese machten Dänemark zum fortschrittlichsten Statt seiner Zeit.

Armenarzt in Altona

Struensee war bereits im Alter von nur 20 Jahren Armenarzt in Altona geworden. Eine solche Stellung bedeutete im 18. Jahrhundert als Medicus pauperum mittellose Kranke unentgeltlich ärztlich zu versorgen. Dafür gab es dann ein Gehalt aus der Gemeindekasse. Als Armenarzt machte sich Struensee durchaus einen Namen, es gab sogar neue und erfolgreiche Therapieformen, die nach ihm benannt worden sind. Struensee war so erfolgreich, dass er später zum Landphysikus in der Grafschaft Rantzau und der Herrschaft Pinneberg ernannt wurde. In dieser Eigenschaft behandelte er auch bürgerliche und adlige Kranke.

Er konnte durchaus Behandlungserfolge vorweisen. Und erlangte beim holsteinischen Adel einen guten Ruf. Bekannt war er auch für eine neuartige Therapie bei Geisteskrankheiten. Und so wurde er gerufen, als der junge dänische König Christian VII. einen Aufenthalt in Altona (damals noch zu Dänemark gehörend) hatte.

Leibarzt des dänischen König Christian

1768 dann begleitet er den geisteskranken dänischen König Christian VII. auf dessen Europareise und steigt in der Folge zum Leibarzt auf. Als solcher begleitet er den König nach Kopenhagen. Er wurde in kurzer Zeit der mächtigste Mann im Staat. Und diese Macht versuchte er im Sinne der Aufklärung zu nutzen und die Regierung und Gesellschaft umzuwandeln.

Gleichzeitig setzte Struensee aber auch eine rigorose Spar- und Personalpolitik um. Damit machte er sich einige Feinde in Dänemark und am Ende wurde er nicht nur gestürzt, sondern eben auch hingerichtet.

Struensee und die Königin

Struensee hatte wohl ein Liebesverhältnis zur Königin Caroline Mathilde. Die englische Prinzessin war von 1766 bis 1772 als Ehefrau von Christian VII. Königin von Dänemark und Norwegen. Anfang des Jahres 1772 wurde Caroline Mathilde von Hannover allerdings wegen ihrer Affäre mit dem Leibarzt ihres Mannes, Struensee geschieden und aus Dänemark verbannt. Nicht auszuschließen, dass Struensee der Vater der Prinzessin Louise Auguste von Dänemark war.

Der König selbst hatte Struensees Bekanntschaft mit seiner Frau gefördert. Zunächst hatte er deren Depressionen behandelt. Obwohl die Königin zunächst misstrauisch war, vertiefte sich die Beziehung zwischen dem Arzt und ihr. Gerüchte besagen, dass es sogar einen Geheimgang zwischen Struensees Wohnung und den Gemächern der Königin gegeben haben sollen.

Das Liebesverhältnis ließ sich nicht lange geheim halten. Allerdings konnte Struensee seine Position zunächst behalten, der König selbst interessierte sich wenig für diese Gerüchte und verließ seinem Günstling in dieser Zeit auch einen Orden. Struensee nutzte seine Position und erklärte per Dekret Ehebruch zur Privatsache. Für viele war nun klar: Das war ein Schuldeingeständnis.

Struensees Gegner

Zu Struensees mächtigsten Gegnern gehörten die Stiefmutter des Königs, Juliane Marie, und ihr Sohn Erbprinz Friedrich. Sie konstruierte wohl Beweise dafür, dass Struensee gemeinsam mit der Königin einen Staatsstreich zur Entmachtung des Königs geplant haben sollen. Und so kam es am 17. Januar 1772 zur Festnahme und Inhaftierung. Der König für befreit erklärt und es folgten Verhöre und Kerker für den Arzt. Es folgten Geständnisse, auch die Königin gestand das Verhältnis, das Leben von Struensee konnte sie damit nicht retten.

Anklage gegen den bisherigen Günstling

Die Anklageschrift wurde am 21. April eingebracht. Am 23. April begann der Prozess, dessen Ergebnis längst feststand. Struensees Pflichtverteidiger war Peter Uldall, der Rechtsbeistand der Königin. Er bemühte sich zwar, Struensee gerecht zu werden, und widerlegte die Anklagepunkte der Majestätsbeleidigung und der angeblichen Misshandlung des Kronprinzen, war jedoch gleichzeitig von der Notwendigkeit der Todesstrafe überzeugt. Und so wurde Struensee auch zum Tode verurteilt.

Hinrichtung

Dabei gingen seine Feinde gründlich vor: Struensee wurde geköpft, gevierteilt und auf das Rad geflochten. Mehr als 30.000 Menschen strömten herbei, um die Hinrichtung zu sehen. Zwei Jahre wurde die Leiche dann öffentlich zur Schau gestellt.

Nicht alle seine Reformen wurden zurückgenommen. So bleib zum Beispiel die Pressefreiheit in Dänemark bestehen. Eines der letzten Dekrete Struensees betraf zudem eine Stadtgründung im Norden des Herzogtums Schleswig, die nach König Christian VII. benannt wurde, Christiansfeld.

Struensee in Hamburg

In Hamburg erinnert heute noch viele Orte an den Arzt Struensee. Hier einige Beispiele:

  • Struensee Gymnasium, eine gebundene Ganztagsschule mit ca. 400 Schülern (mehr auf Hamburg aktiv)
  • Struenseestraße (hieß bis 1950 Kleine Mühlenstraße)
  • Struensee Haus in der Mörkenstraße (hier finden sich passenderweise einige Fachärzte)
 

Julia

 

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